{"id":25913,"date":"2026-02-13T00:00:00","date_gmt":"2026-02-12T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/scheer-pas.com\/en\/blog\/article\/die-zukunft-der-ide-in-der-prozessautomation-ein-interview-mit-dr-christian-linn\/"},"modified":"2026-02-13T00:00:00","modified_gmt":"2026-02-12T23:00:00","slug":"die-zukunft-der-ide-in-der-prozessautomation-ein-interview-mit-dr-christian-linn","status":"publish","type":"post_type_article","link":"https:\/\/scheer-pas.com\/en\/blog\/article\/die-zukunft-der-ide-in-der-prozessautomation-ein-interview-mit-dr-christian-linn\/","title":{"rendered":"Die Zukunft der IDE in der Prozessautomation \u2013 Ein Interview mit Dr. Christian Linn"},"content":{"rendered":"\n
Christian, sch\u00f6n, dass du wieder bei uns bist. Es gibt mehrere Themen, die wir heute ansprechen m\u00f6chten, aber wir wollen uns besonders auf Nutzerinteraktion, Interfaces und UI im Kontext der Prozessautomatisierung konzentrieren. Aus deiner Perspektive: Worauf sollten sich Unternehmen mit Blick auf 2026 vorbereiten?<\/p>\n\n\n\n
Gerne! Ich denke auch, es gibt einige neue Trends zu besprechen.<\/p>\n\n\n\n
Wenn wir \u00fcber Prozessautomatisierung sprechen, kommen wir immer wieder an den Punkt, bestimmte Begriffe neu zu bewerten, die seit Jahren verwendet werden. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Konzept des Citizen Developers. Wie relevant ist dieses Thema aus deiner Sicht heute noch? Begegnet es dir im Markt weiterhin, oder hat es an Bedeutung verloren?<\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n Der Citizen Developer ist ein Konzept, das sich in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Bereichen entwickelt hat. Im Kern geht es darum, Menschen ohne klassische Programmier- oder Softwareentwicklungsausbildung in die Lage zu versetzen, Anwendungen zu entwickeln. Grunds\u00e4tzlich hat dieser Ansatz seine Berechtigung, allerdings nicht f\u00fcr alle Anwendungsf\u00e4lle und Einsatzbereiche.<\/p>\n\n\n\n Wie bei vielen Themen im IT- und Technologiebereich waren die Erwartungen zu Beginn sehr hoch. Mit der Zeit hat sich jedoch gezeigt, dass diese Erwartungen nur teilweise erf\u00fcllt wurden. Der Grund daf\u00fcr ist vergleichsweise einfach. Es gibt Szenarien, in denen Anwendungen, die mithilfe von Low-Code-Ans\u00e4tzen durch Citizen Developer erstellt wurden, gut funktionieren und einen echten Mehrwert liefern.<\/p>\n\n\n\n Sobald wir jedoch \u00fcber gesch\u00e4ftskritische, komplexe Prozesse und Systeme sprechen, sto\u00dfen diese Ans\u00e4tze schnell an ihre Grenzen. Entscheidend ist am Ende nicht, wie schnell sich eine Anwendung zusammenklicken l\u00e4sst, sondern ob sie auf einer skalierbaren, sicheren und wartbaren Architektur basiert und ob ein tragf\u00e4higes Softwarekonzept dahintersteht. Genau an dieser Stelle zeigen sich h\u00e4ufig die Grenzen von Citizen-Developer-Ans\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n Ein weiteres Konzept, das man h\u00e4ufig sieht, insbesondere in der externen Kommunikation, wenn L\u00f6sungen als besonders einsteigerfreundlich positioniert werden, sind grafische Drag-and-Drop-Oberfl\u00e4chen. Am anderen Ende des Spektrums entsteht nun mit Vibe Coding ein Ansatz, der auf nat\u00fcrlicher Sprache und KI basiert. Sind das zwei Extreme, oder sprechen diese Ans\u00e4tze einfach unterschiedliche Zielgruppen an?<\/p>\n\n\n\n Sie sprechen in erster Linie unterschiedliche Zielgruppen an, auch wenn das zugrunde liegende Ziel sehr \u00e4hnlich ist. Beide Ans\u00e4tze zielen darauf ab, die Entwicklungszeit von Softwareanwendungen deutlich zu verk\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n Low-Code-Ans\u00e4tze mit grafischen Benutzeroberfl\u00e4chen richten sich vor allem an Citizen Developer, k\u00f6nnen aber je nach Anwendungsfall auch professionelle Entwickler unterst\u00fctzen, indem sie eine schnelle Umsetzung erm\u00f6glichen. Vibe Coding hingegen ist ein relativ neuer Ansatz, bei dem Softwareentwicklung durch KI \u00fcber nat\u00fcrliche Sprache oder Spracheingaben gesteuert wird.<\/p>\n\n\n\n Beide Ans\u00e4tze haben ihre Vorteile, aber auch ihre Einschr\u00e4nkungen. In der Praxis, insbesondere im Bereich der Prozessautomatisierung und Enterprise-Software, wird sich f\u00fcr viele Anwendungsf\u00e4lle eine L\u00f6sung irgendwo zwischen diesen Extremen etablieren.<\/p>\n\n\n\n Wenn diese Ans\u00e4tze den Weg von der Idee zur Anwendung f\u00fcr unterschiedliche Zielgruppen verk\u00fcrzen, ist das nat\u00fcrlich attraktiv. Gleichzeitig m\u00fcssen Anwendungen und Architekturen weiterhin validiert und optimiert werden. Bedeutet das eine R\u00fcckkehr zu Pro-Code-Entwicklung, oder zeigt es vielmehr, dass man ohne tiefgehende Coding-Kompetenz das Gesamtbild nicht vollst\u00e4ndig erfassen kann?<\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n Diese Frage ist eng damit verbunden, ob wir k\u00fcnftig weiterhin Softwareentwickler ben\u00f6tigen, die tats\u00e4chlich Code schreiben k\u00f6nnen. Meine Antwort darauf ist eindeutig: ja, absolut.<\/p>\n\n\n\n Vibe-Coding-Tools und Coding-Assistenten sind in erster Linie Werkzeuge, um das Schreiben von Code und die Entwicklung von Anwendungen zu beschleunigen. Dort, wo sie weiterhin an Grenzen sto\u00dfen und wo tiefgehende Expertise notwendig bleibt, ist der Bereich Architektur und technisches Design. Dazu z\u00e4hlen Modularisierung, das Design komplexer Systeme und das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie sich eine Anwendung im Gesamtsystem verh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n Das Schreiben von Code ist nur ein Teil der Softwareentwicklung. Genau hier k\u00f6nnen diese Tools sehr gut unterst\u00fctzen. Wenn es jedoch um gesch\u00e4ftskritische Software geht, braucht es Erfahrung, um robuste Architekturen zu entwerfen sowie Sicherheit, Performance und langfristige Wartbarkeit sicherzustellen. Diese Expertise l\u00e4sst sich nicht ersetzen.<\/p>\n\n\n\n Was wir allerdings sehen werden, ist, dass KI-gest\u00fctzte Entwicklungsans\u00e4tze klassischen Low-Code-L\u00f6sungen zunehmend Konkurrenz machen. Einfache Anwendungen, Demos, Proofs of Concept und Prototypen lassen sich bereits heute extrem schnell \u00fcber nat\u00fcrliche Sprache realisieren. In vielen F\u00e4llen ist das sogar schneller als mit klassischen Low-Code-Werkzeugen. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend weiter verst\u00e4rken wird.<\/p>\n\n\n\n Mit Blick auf 2026 w\u00fcrdest du also sagen, dass wir uns auf einen Sweet Spot zwischen Low-Code und professionellen Pro-Code-Frameworks zubewegen?<\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n Ich halte es f\u00fcr sinnvoll, hier zwischen drei Bereichen zu unterscheiden. Klassische Low-Code-Ans\u00e4tze eignen sich gut f\u00fcr Anwendungen mit begrenzter Kritikalit\u00e4t, insbesondere dann, wenn es im Unternehmenskontext ausreichende Governance- und Compliance-Strukturen gibt, um solche Anwendungen sicher zu betreiben. In diesen F\u00e4llen k\u00f6nnen sie sehr hilfreich sein, um bestimmte Use Cases in einzelnen Fachbereichen umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n Vibe Coding zeigt seine St\u00e4rken vor allem bei Demos, Proofs of Concept und Prototypen. Es erm\u00f6glicht, Ideen sehr schnell zu validieren, Feedback einzuholen und weiterzuentwickeln. Daf\u00fcr ist dieser Ansatz hervorragend geeignet.<\/p>\n\n\n\n Wenn wir jedoch \u00fcber produktive Enterprise-Anwendungen sprechen, also \u00fcber zentrale IT-Systeme und gesch\u00e4ftskritische Kernprozesse, ben\u00f6tigen wir weiterhin eine Kombination aus KI-gest\u00fctzter Codegenerierung und gezielter Pro-Code-Entwicklung. Die Expertise erfahrener Softwareentwickler bleibt entscheidend, um sicherzustellen, dass diese Systeme den Anforderungen moderner Unternehmens-IT gerecht werden.<\/p>\n\n\n\n Wenn wir alle Ebenen betrachten, von Plattformanbietern bis hin zu Endanwendern, die kleine Anwendungen entwickeln, wissen wir, dass Entwicklung allein nicht ausreicht. Ein gro\u00dfer Teil der Arbeit entf\u00e4llt auf Debugging und vor allem auf Testing. Ist das ein Bereich, in dem KI-Agenten bereits heute klaren Mehrwert liefern?<\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n Absolut. KI unterst\u00fctzt bereits heute sehr unterschiedliche Phasen des Software-Lifecycles. Wir haben viel \u00fcber Entwicklung gesprochen, also \u00fcber Codegenerierung, Testgenerierung, Dokumentation oder die \u00dcbersetzung von Anforderungen in technische Spezifikationen.<\/p>\n\n\n\n Dar\u00fcber hinaus sehen wir, dass KI und insbesondere KI-Agenten zunehmend den operativen Betrieb von Softwarel\u00f6sungen unterst\u00fctzen. Dazu geh\u00f6ren Monitoring, Fehleranalyse und in einigen F\u00e4llen sogar autonomes Debugging. In bestimmten Szenarien kann KI Probleme identifizieren, korrigieren und aktualisierte Softwareversionen automatisch wieder in Betrieb nehmen.<\/p>\n\n\n\n
<\/figure>\n\n\n\nChristian Linn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
Christian Linn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
<\/figure>\n\n\n\nChristian Linn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
<\/figure>\n\n\n\nChristian Linn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich<\/strong><\/h3>\n\n\n\n
<\/figure>\n\n\n\nChristian Linn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n