{"id":25911,"date":"2026-02-03T00:00:00","date_gmt":"2026-02-02T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/scheer-pas.com\/en\/blog\/article\/experteninterview-warum-europa-keine-digitale-kolonie-werden-darf\/"},"modified":"2026-02-03T00:00:00","modified_gmt":"2026-02-02T23:00:00","slug":"experteninterview-warum-europa-keine-digitale-kolonie-werden-darf","status":"publish","type":"post_type_article","link":"https:\/\/scheer-pas.com\/en\/blog\/article\/experteninterview-warum-europa-keine-digitale-kolonie-werden-darf\/","title":{"rendered":"Experteninterview: Warum Europa keine digitale Kolonie werden darf"},"content":{"rendered":"\n
Sebastian Dietrich <\/h3>\n\n\n\n
Hi Sharam, sch\u00f6n, dass du da bist. Heute sprechen wir \u00fcber spannende Entwicklungen rund um RPA und nat\u00fcrlich KI. Meine erste Frage: Wie hat sich Agentic AI deiner Meinung nach in den letzten Jahren auf die klassische Robotic Process Automation ausgewirkt oder sie sogar ersetzt? Und wie wird sich das in 2026 weiterentwickeln?<\/p>\n\n\n\n
Sharam Dadashnia <\/h3>\n\n\n\n
Gute und f\u00fcr 2026 sehr naheliegende Frage. Es gibt zwei zentrale Aspekte. Der erste ist Integration. Klassische RPA hat \u00fcber Benutzeroberfl\u00e4chen automatisiert und menschliches Verhalten nachgeahmt. Bots haben geklickt und getippt statt Menschen. Das war lange eine Br\u00fcckentechnologie. <\/p>\n\n\n\n
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\u201cKlassische RPA war eine Br\u00fcckentechnologie. Agentic AI adressiert die Realit\u00e4t von Wissensarbeit und Entscheidungsfindung.\u201d <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n
Heute stellen moderne Softwarearchitekturen APIs bereit. Die Automatisierung \u00fcber die Oberfl\u00e4che wird damit weitgehend \u00fcberfl\u00fcssig. Das sieht man im Markt. Die gro\u00dfen RPA-Anbieter k\u00e4mpfen seit Jahren mit sinkenden Bewertungen und Ums\u00e4tzen. Klassische RPA wird nicht nur seltener gebraucht, sie ist auch starr. Regelbasierte Automationen tun sich schwer mit ver\u00e4nderlichen Oberfl\u00e4chen und dynamischen Umgebungen. <\/p>\n\n\n\n<\/figure>\n\n\n\n
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Der zweite Aspekt betrifft Wissensarbeit. In echten Gesch\u00e4ftsprozessen sind Entscheidungen selten reine Regelwerke. Menschen sammeln Informationen aus vielen Quellen, bewerten den Kontext, treffen Urteile und geben Ergebnisse an Systeme zur\u00fcck. Genau hier schafft Agentic AI echten Mehrwert. <\/p>\n\n\n\n
Agentic AI kann die Vorbereitung von Entscheidungen unterst\u00fctzen oder vollst\u00e4ndig \u00fcbernehmen. Sie aggregiert Daten, analysiert Dokumente und liefert kontextbezogene Empfehlungen. Viele Unternehmen setzen aktuell auf Human-in-the-Loop. Die KI bereitet vor, der Mensch entscheidet final. Das ist verst\u00e4ndlich. Niemand ist bereit, Verantwortung komplett an KI abzugeben.<\/p>\n\n\n\n
Ein Beispiel aus der Versicherung: Vorg\u00e4nge, die fr\u00fcher 20 bis 30 Minuten dauerten, lassen sich auf etwa f\u00fcnf Minuten reduzieren, wenn alle relevanten Informationen vorab analysiert und aufbereitet sind. Wenn das Vertrauen w\u00e4chst, wird Vollautomatisierung zum realistischen n\u00e4chsten Schritt. <\/p>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich <\/h3>\n\n\n\n
Du hast Vertrauen als Thema jetzt mehrfach angesprochen. In regulierten Branchen ist das besonders wichtig. Viele L\u00f6sungen basieren auf Cloud-Technologien. Mit Blick auf die Lage zwischen EU, Asien und USA: Wie entwickelt sich Vertrauen in diesem Kontext, zum Beispiel mit Initiativen wie der EU Sovereign Cloud? <\/p>\n\n\n\n
Sharam Dadashnia <\/h3>\n\n\n\n
In der Praxis sehen wir zwei Muster. Viele KI-Services kommen weiterhin aus den USA. Gleichzeitig betreiben die US\u2011Hyperscaler Rechenzentren in Europa, auch in Deutschland. Dar\u00fcber lassen sich hochsichere, isolierte KI\u2011L\u00f6sungen bereitstellen, die den Anforderungen an EU\u2011Souver\u00e4nit\u00e4t entsprechen. <\/p>\n\n\n\n
Entscheidend ist: KI-Einsatz ist immer use-case-getrieben. Nicht jedes Szenario braucht maximale Rechenleistung aus einem Service au\u00dferhalb der EU. In vielen F\u00e4llen haben wir bereits dedizierte und gesch\u00fctzte KI\u2011Systeme umgesetzt, gerade im Public Sector und in stark regulierten Umfeldern. Sie laufen vollst\u00e4ndig in kontrollierten Rechenzentren und sind DSGVO\u2011konform. <\/p>\n\n\n\n
Bei \u00f6ffentlichen oder nicht sensiblen Daten sind die H\u00fcrden naturgem\u00e4\u00df niedriger. Jedes Projekt braucht eine individuelle Bewertung von Datensensibilit\u00e4t, Compliance und Technik. Wichtig ist die Wahlfreiheit. Europ\u00e4ische Anbieter wie Mistral und Open\u2011Source\u2011Modelle lassen sich integrieren und als Managed Service betreiben. Wir binden uns bewusst nicht exklusiv an einen Anbieter. <\/p>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich <\/h3>\n\n\n\n
Blicken wir auf diese Modelle und kommende Regulierungen wie den EU AI-Act. Bremst das Innovation und Automatisierung aus oder ist sie ein notwendiger Korrekturschritt nach den letzten Jahren. <\/p>\n\n\n\n
Sharam Dadashnia <\/h3>\n\n\n\n
Das wirkt oft heikel, sollte es aber nicht sein. Aus meiner Sicht schafft die Verordnung, die dieses Jahr voll wirksam wird, einen n\u00f6tigen Rahmen. Sie zwingt Organisationen, Use Cases einzuordnen. Stark kritisch, sensibel oder eher geringes Risiko. <\/p>\n\n\n\n
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\u201cDie EU-KI-Verordnung bremst Innovation nicht. Sie schafft Klarheit und Vertrauen.\u201d <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n
Das ist in dieser gro\u00dfen KI\u2011Euphorie positiv. Es verhindert den sorglosen Umgang mit sensiblen Daten, etwa wenn vertrauliche Informationen in unsichere Systeme wandern. Diese Regeln bremsen Innovation nicht, sie schaffen Transparenz. Im Kern ist es eine Art Kennzeichnung, die zeigt, welche Dienste f\u00fcr welche Anwendungsf\u00e4lle geeignet sind. <\/p>\n\n\n\n<\/figure>\n\n\n\n
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Mit dieser Klarheit lassen sich L\u00f6sungen leichter compliant gestalten. Das setzen wir heute bereits erfolgreich mit unseren Kunden um. Wir sehen die Verordnung nicht als Hindernis, sondern als zus\u00e4tzliche Absicherung. <\/p>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich <\/h3>\n\n\n\n
Das ist gut, denn viele Anbieter sehen das anders. Als Plattformanbieter: Wie sichern wir technologische Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber Gesch\u00e4ftsprozesse, integrieren bestehende L\u00f6sungen und bleiben zukunftsf\u00e4hig? <\/p>\n\n\n\n
Sharam Dadashnia <\/h3>\n\n\n\n
Unsere Plattform schafft volle Transparenz und Kontrolle in jedem Prozessschritt. Wir sehen, wo Daten herkommen, wie sie verarbeitet werden und wohin sie flie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n
Wenn ein Unternehmen KI\u2011Dienste au\u00dferhalb der EU nutzt, etwa bekannte US\u2011KI\u2011Modelle, machen wir das sichtbar. So wird Compliance aktiv \u00fcberpr\u00fcfbar und Entscheidungen werden fundiert. Manches ist problemlos vertretbar. Anderes muss aus Risiko- oder Regulierungssicht neu bewertet werden. <\/p>\n\n\n\n
Diese Transparenz ist zentral. Sie erm\u00f6glicht bewusste Entscheidungen zu Souver\u00e4nit\u00e4t, Compliance und zur k\u00fcnftigen Architektur. <\/p>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich <\/h3>\n\n\n\n
Gleichzeitig w\u00e4chst der Bedarf an technologischer Weiterentwicklung. Es gibt verst\u00e4rkt Interesse an Multi\u2011Agenten\u2011Systemen und Open Source. Warten Unternehmen auf eine europ\u00e4ische Open\u2011Source\u2011Bewegung, bis sie reif ist? <\/p>\n\n\n\n
Sharam Dadashnia <\/h3>\n\n\n\n
Viele Organisationen experimentieren bereits mit KI\u2011Agenten in abgegrenzten Use Cases. Im Wesentlichen sehen wir zwei Herangehensweisen. <\/p>\n\n\n\n
Erstens den disruptiven Ansatz. Ganze Bereiche oder Prozesse werden mit einem AI\u2011first\u2011Mindset neu gedacht. Das ist mutig. Zweitens den evolution\u00e4ren Ansatz, der im DACH\u2011Raum viel h\u00e4ufiger ist. Bestehende Prozesse werden Schritt f\u00fcr Schritt mit KI angereichert. <\/p>\n\n\n\n
Die Strategie ist oft klar. Die breite Umsetzung ist noch selten. Die meisten starten klein, um Vertrauen aufzubauen. Wir identifizieren Prozessschritte mit guter Balance aus Aufwand und Wirkung. So entstehen Quick Wins. Das schafft Vertrauen und Tempo f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Initiativen. <\/p>\n\n\n\n
Start-ups fahren oft von Beginn an AI\u2011first. Etablierte Unternehmen gehen vorsichtiger vor, aber stetig. <\/p>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich <\/h3>\n\n\n\n
Viele starten lieber mit einem etablierten Anbieter statt direkt mit Open Source. <\/p>\n\n\n\n
Sharam Dadashnia <\/h3>\n\n\n\n
Das h\u00e4ngt von Reifegrad und internen F\u00e4higkeiten ab. Eigenes Know-how aufzubauen dauert. Vor allem in einem jungen Feld mit wenig Erfahrung am Markt. <\/p>\n\n\n\n
Gro\u00dfe Unternehmen gehen oft beide Wege parallel. Open Source und Enterprise\u2011L\u00f6sungen. Wir nutzen Open\u2011Source\u2011Modelle, wo es passt. Gleichzeitig kennen wir die Komplexit\u00e4t. Wir arbeiten seit \u00fcber f\u00fcnf Jahren an KI\u2011getriebener Prozessautomation und haben viele Anfangsh\u00fcrden genommen. <\/p>\n\n\n\n
Ein erfahrener Anbieter reduziert Zeit, Kosten und Risiko sp\u00fcrbar. Wie bei jedem komplexen System wird professionelle Unterst\u00fctzung unverzichtbar, wenn es um Skalierung, Verl\u00e4sslichkeit und Compliance geht. <\/p>\n\n\n\n
Sebastian Dietrich <\/h3>\n\n\n\n
Zum Abschluss: Deine Einsch\u00e4tzung f\u00fcr 2026 zu unseren Themen? <\/p>\n\n\n\n
Sharam Dadashnia <\/h3>\n\n\n\n
2026 wird f\u00fcr die KI\u2011Adoption im DACH\u2011Raum und in Europa entscheidend. Die \u00f6ffentliche Debatte ist oft zu optimistisch. In der Realit\u00e4t stehen viele Unternehmen noch am Anfang. <\/p>\n\n\n\n<\/figure>\n\n\n\n
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Gleichzeitig steigt die Arbeitslast, Kapazit\u00e4ten sind knapp. Der demografische Wandel und das Ausscheiden der Babyboomer f\u00fchren zu gro\u00dfem Wissensverlust. KI und Prozessautomatisierung sind essenziell, um diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen, ohne Qualit\u00e4t zu verlieren. <\/p>\n\n\n\n
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\u201cEuropa darf keine digitale Kolonie der USA oder Asiens werden. Das ist unsere Mission. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt.\u201d<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n
Wenn Europa jetzt nicht handelt, sind andere schneller. Mein Ziel ist klar. Wettbewerbsf\u00e4hig bleiben, unabh\u00e4ngig sein und auf eigene L\u00f6sungen vertrauen. Europa darf keine digitale Kolonie der USA oder Asiens werden. Daran arbeiten wir. Und der richtige Zeitpunkt ist jetzt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"
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